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Manchmal hab ich keinen Bock mehr – aus der Hölle namens Trotzphase

Wenn es je einen Tag gab, an dem man Nutella mit dem Löffel direkt aus dem Glas isst, während man sich selbst hin und herwiegend auf dem Küchenboden schaukelt, dann heute.

Wir haben Trotz.

Ich weiß, dass es normal ist. Ich habe einige Bücher zur Trotz- oder Autonomiephase gelesen, unzählige Artikel und Posts. Ja, ich verstehe, dass mein Kind eine Entwicklung durchmacht. Auch das Warum. Und dass es, wenn sie Zwei sind, ganz besonders heftig sein soll, habe ich auch schon gehört. Man sollte meinen, ich sei darauf vorbereitet gewesen.

Aber ich war es wohl nicht – und heute ist alles ganz schrecklich. Der Zwockel trotzschreit und wutbrüllt, seitdem er zuhause ist. Es begann damit, dass ihn Ommaoppa vom Kindergarten abgeholt haben, wie an jedem Montag. Er bekam ein Brötchen, das er mit Freude mampfte. Ein Engel – bis Oma weg und die Tür zu war.

Dann flog das Brötchen mit Geheule durch die Wohnung.

WILLICHNICH!!!“, kreischt es aus Bodennähe.

„Was möchtest du denn? Hast du noch Hunger?“

„JAAAAAAAAAAAAAAA! MUSSLI! WILL MUSSLI!!!“ (Anmerkung der Mama: Müsli)

„Wir haben keines mehr, eine Banane?“ (Anmerkung der Mama: Er hatte 2/3 Käsebrötchen intus, er hätte auch so kein Müsli bekommen.)

„JAAAAAAAAAAAAAAAAA! MAAAANAAAA!“ (Anm. d. M.: Banane)

„Hier, Schatz.“

Bananen sind, einmal aus der Schale gepellt, übrigens flutschig und machen schicke Flecken, wenn sie gegen die Küchenschränke geworfen werden. Kopf einziehen, da fliegt der zweite Teil. Durchatmen.

WILLICHNICH!“

„Was möchtest du denn?“

„MAAAAANAAAAAA!“ (Anm. d. M.: Banane)

„Du hast gerade deine Banane geworfen, noch eine gibt es nicht!“

Zwockel entsteigt dem TrippTrapp und wirft sich brüllend auf den Boden. Er brüllt und schreit.

„Ich glaube, du bist müde, komm, ich leg dich hin“, ich bin selbst erstaunt, wie geduldig ich noch bin.

Auf der Wickelkommode tritt er nach mir, weint und brüllt, als ob ich ihm eine mit Reißzwecken gespickte Windel an den Poppes hefte. Er macht sich steif und kooperiert null. Ich bin weiterhin geduldig und versuche, beruhigend auf ihn einzureden. Das Hinlegen klappt, er schläft seine anderthalb Stunden.

Und dann es geht wieder los. Er brüllt und schreit, er schreit und brüllt. Er trotzt. Er will etwas trinken, als er es bekommt, wirft er es nach mir. Er will sein Puzzle machen, nimmt es und brüllt und schreit. Er wirft es nach mir. Ich sitze mit Engelsgeduld daneben und versuche, es mit ihm gemeinsam zu machen.

Obwohl die Fenster dringendst geputzt werden müssen und für heute auf der Liste stehen. Einkaufen müssen wir auch.

Er schreit und trotzt. Er trotzt und schreit. In den Arm nehmen? Auf sowas steht ein Zwockel nur, wenn er sich wehgetan hat. Bei Trotz endet jeder Umarmungsversuch mit noch mehr Gebrüll. Er will ein Hörspiel.

Es ist das Falsche (Anm. d. M.: Natürlich nicht, es ist genau das, was er hören wollte.) Er will ein anderes. Nein, doch wieder das erste. Nein, das nicht.

WILLICHNICH!!!“ kreischt es erneut.

Ich beschließe den Tapetenwechsel. Einkaufen. Frische Luft und Ablenkung. Ich versuche, Zwockel anzuziehen. Er brüllt und tritt nach mir, erwischt meine Brust mit voller Wucht – das tut echt weh. Er macht sich lang und steif – ich bekomme, ohne Gewaltanwendung, keinen Arm in den Pullover. Normalerweise ziehe ich das durch, wenn wir einkaufen müssen, gehen wir einkaufen (schon wieder ne Rechtfertigung!). Heute kann ich es nicht.

„Na gut“, seufze ich und gebe nach. Dann bleiben wir halt hier. Ich merke, wie meine Kraft – und mit ihr meine Geduld – schwindet. „Ja“, sagt Zwockel knapp. Und zieht seine Schuhe an. „REWE, MAMA. TOMM!“

Ich sage nein, da es bitterkalt ist und er nicht angezogen. Er brüllt und schreit. Er schreit und brüllt. Jetzt will er doch. Im Schlafanzug? Naaahain. Entweder, du lässt dich anziehen oder wir bleiben hier. Anziehen? Teufelstat! Untersteh dich, Mama! Geschrei und Gebrüll, Gebrüll und Geschrei, performt mit Trotz-Breakdance auf dem Boden im Flur.

Ich gebe auf und schicke ihn streng ins Wohnzimmer, während ich in die Küche gehe, um den Schrankinhalt mit Rezepten abzugleichen und versuche, mir ein tolles Abendessen zu überlegen.

Zwockel kommt wieder rein und will malen. Er nimmt seine Stifte und den Block und wirft mir den ganzen Kladderadatsch keine zwei Minuten später vor die Füße. Er schreit und brüllt und brüllt und schreit.

Ich sitze vor meinem Lebensmittelschrank und weine leise hinein. Ich kann das Geschrei nicht mehr hören. Ich will das Gebrüll nicht mehr ertragen. Ich kann ihm nichts recht machen und habe auch keine Kraft mehr, Grundsätze durchzusetzen. Fuck the Pädagogik!

„WILLICHNICH!“, schreie ich trotzig, und stampfe mit Tränen in den Augen auf.

Entschuldigt mich, ich koch jetzt Abendessen.

 

 

Entschuldigt bitte die etwas ungewöhnliche Form des Artikels, ich habe mich den restlichen Tag, der nicht unter Brüllattacke stand, mit einer zauberhaften Sache namens DSGVO (oder wie ich es nenne: „D-fucking-SGV-fucking-O) beschäftigt, wenn ich nicht gearbeitet habe. Und ich habe heute keine Lust mehr, Google irgendetwas recht zu machen. Also fuck SEO, fuck the Lesbarkeit – and the Keywords erst recht. Geh wech, Google.

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