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Die Rechnung – oder: Jingle-Gedingel aus der Hölle (Akt 2)

Rechnung Arbeitsplatz

Wie ihr bereits in der Geschichte mit der nicht-existenten Metzgerei gelesen habt, hatte ich mit einem gewissen Telekommunikationsanbieter so meine Schwierigkeiten. Diese gingen jedoch noch weiter… Hier ist der 2. Akt.

Wie es weiterging? Mit der Rechnung!

Die Rechnung war auch so eine Sache. Sie kam, kurz nachdem ich die Entdeckung gemacht hatte, dass ich nun Besitzerin einer Metzgerei war. Damals musste man noch hohe Gebühren für das Einrichten eines Telefon- und Internet-Anschlusses bezahlen. Klingt heute unglaublich, aber so war es. Es war allerdings nicht mehr so teuer, wie noch Jahre zuvor. Außer für mich.

Die Rechnung belief sich auf fast 1000 Euro. Nochmal langsam: Ein-tau-send-Eu-ro. Als ich sie öffnete, blieb mir vor Schreck beinahe das Herz stehen. Wo sollte ich das Geld hernehmen?!

Noch mehr „Das kann nicht sein!“

Völlig entgeistert rief ich den Bekannten an, der mir beim Beantragen des ganzen Internet- und Telefon-Gedönses geholfen
hatte.

„Ähm. Micky. Die Telekom will fast 1000 Euro von mir. Für den Anschluss!“

Das kann nicht sein!Ach, komm. Nicht du auch noch!

„Doch, ist aber so!“

„Das ist viel zu viel. Viiiel zu viel.“ Was du nicht sagst!

„Schau sie dir nochmal genau an. Da muss etwas schief gegangen sein.“ Du hast ja keine Ahnung, mein Lieber.

Und ich schaute. Oh ja, es war gehörig was schiefgegangen. Meine Freunde vom besagten Telekommunikationsunternehmen hatten jeden, aber auch jeden Posten, doppelt berechnet. Anschlussgebühr 150 Euro. Direkt darunter: Anschlussgebühr: 150 Euro.

Nur die Anreise des Service-Technikers hatte man nicht doppelt berechnet, sondern gleich vier Mal. Mit verschiedenen Anreisedaten. Nun war es an mir „Das kann nicht sein!“ zu rufen. An einem Tag war ich zuhause gewesen. Allein. Nur ich und mein Magen-Darm-Virus.

Ein weiterer Anreiseversuch, für je schlappe 40 Euro, fand laut Rechnung an einem Sonntag statt. Ich glaube ja an Arbeitseinsatz und einen gewissen Arbeitseifer, aber nein, das nehme ich den Jungs nicht ab…

Die Warteschleife, der Jingle des Grauens, Monika und ich

Was tut man, wenn man eine offenkundig falsche Rechnung erhält? Man ruft die Rechnungsstelle an. Computermenü. Didididi-DING. Schlechte Warteschleifen-Musik. Didididi-DING.

Ein Mensch nahm ab. Ich schilderte mein Problem.

„…und darum hätte ich gern eine neue Rechnung.“

Stille.

„Hallo? Hallo? Frau von der Rechnungsstelle?“

Aufgelegt. War wohl zu kompliziert gewesen.

Nächster Versuch. Nächste Erklärung.

„…und darum hätte ich gern eine neue Rechnung.“

Das kann doch gar nicht sein.“ Ja, Schatzi, genau darum rufe ich ja an!

„Ja, sehen Sie, das dachte ich auch, aber Ihr Techniker hat allein vier Mal die Anreise…“

Tuuuut. Tuuuut. Tuuuut.

Aufgelegt. So langsam schwenkte meine Stimmung vom höflichen „Heeeey, wir sind alle nur
Menschen, kann ja mal passieren!“ zu „Wollt ihr mich eigentlich verarschen?!“ um.

Die Rechnung

Photo by Gabriel Matula on Unsplash

Dritter Versuch, nicht mehr ganz so freundlich.

„…und darum erwarte ich, dass Sie mir eine neue, korrekte Rechnung zusenden.“

„…da komm ich an die Bar, da hat sich Monika doch wirklich schon den nächsten Kerl angelacht. Die Frau ist wirklich unglaublich, ich meine, ist das zu fassen, wir waren nur 10 Tage auf Malle…“

„Ähm. Das ist schön für Monika, aber HALLO?“

„…und du glaubst ja nicht, was die für Mengen an Cocktails in sich reinschüttet, meinlieberherrgesangsverein, ich sag dir – und sie hat nicht einen selbstbezahlt…“

„Das freut mich für Monika – olé olé, aber meine Rechnung möchte ich auch nicht selbst bezahlen und…“

„…aber das Wetter war klasse. Kennste ja, Malle halt, ne…“

HALLO???

„…ich kann dir da diese Bar empfehlen…“ Ja bitte, für mich einen doppelten Gin Tonic. Ohne Tonic…

„Hallooooo? Haaaaaallooooo?“

Tuuut. Tuuut. Tuuut.

Man hatte den Hörer einfach danebengelegt, pikante Urlaubsdetails ausgetauscht und dann aufgelegt. Mal wieder.

Let’s try again…

„Okay“, sagte ich zu mir. „Heute ist vielleicht einfach nicht dein Tag. Probieren wie es morgen nochmal. Erstmal zum Service-Punkt, die Sache mit der Metzgerei und den Gelben Seiten klären.“ Ich berichtete bereits.

In den folgenden Tagen versuchte ich noch einige Male, die Rechnungsstelle anzurufen. Wurde nicht aufgelegt, kam nach einem knappen „Moment bitte!“ die Warteschleife.

„Didididi-DING“ kann, hört man es oft genug, wahnsinnige Aggressionen auslösen. Mein Warteschleifen-Maximum, bis ich es nicht mehr aushielt, waren 43 Minuten.

Sagen eigentlich die Genfer Konventionen irgendwas zu dem Thema Telefonfolter durch Warteschleifenmusik? Zermürben des Geistes durch Jingle-Gedingel? Ich weiß nicht, ob es dazu Studien gibt, aber man wird langsam konditioniert. Kam in der Werbung ein Spot mit dem unvermeidlichen „Didididi-DING“ am Ende, stellte ich eine vermehrte Schweißbildung, starkes Herzklopfen und unbändige Mordlust fest.

Inzwischen war die erste Mahnung eingetrudelt. Jetzt wurde es ernst. Keine neue Rechnung, die wollen wahrhaftig das Geld. Ich begann, das Ganze schriftlich festzuhalten und schickte einen Brief – Einschreiben, Rückschein – an die Zentrale des Unternehmens. Keine Reaktion. Kein Rückschein. Keine neue Rechnung. Dafür eine zweite Mahnung.

Ich verschickte einen weiteren Brief – Einschreiben, Rückschein – an die Zentrale des Unternehmens. Keine Reaktion. Kein Rückschein. Keine neue Rechnung. Dafür eine letzte Mahnung mit Androhung eines Mahnbescheides.

Die Rechnung Telefon

Photo by Quino Al on Unsplash

Hilft ja nix – ab zum Anwalt

Nun ging ich zum Anwalt. Als ich ihm meinen Fall geschildert hatte – auch das mit der Metzgerei – und sich der arme Mann wieder beruhigt hatte, wischte er sich die Tränen aus den Augen. Es ist schon frustrierend, wenn alle Welt lacht und man selbst weiß nicht, ob man lachen oder weinen und außerdem fast 1000 Euro für den Spaß zahlen soll. Er riet mir, selbst auszurechnen, was ich bezahlen müsse und dann diesen Betrag zu überweisen.

Eine Klage wegen versuchten Betruges, wie mein Trotzkopf sie angestrebt hatte, habe gegen den Telekommunikations-Riesen wenig Aussicht, da es sich bestimmt um einen bloßen Computerfehler handle, so der Anwalt, der immer noch über seine lachtränenfeuchten Wangen wischte.

Wer mich kennt weiß, dass ich nicht rechnen kann und Zahlen meide, wie der Teufel das Weihwasser. Aber ich setzte mich hin, rechnete, durchkämmte die unübersichtlichen Posten, und versuchte sogar, die Mehrwertsteuer mit einzukalkulieren. Es klappte – der korrekte Rechnungsbetrag lag um die 300 Euro. Ich bat zudem um eine neue Telefonnummer, denn die Metzgerei-Sache nervte langsam.

Kurz habe ich überlegt, dem Didididi-DING-Laden eine eigene Rechnung zu stellen.

Für meine Mühen. Und meine Nerven. Ach ja. Meine Nerven!

Das war natürlich noch nicht alles… bald geht’s weiter mit dem 3. Akt – meine Nerven sollten noch eine große Rolle spielen…

Hier gehts zum 1. Akt des Dramas:

Die nichtexistente Metzgerei (1. Akt)

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