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Als das Christkind Käse brachte…

Über die Geschenkeflut zu Feiertagen.

Als Locke sein erstes Weihnachtsfest, das er bewusst erlebte, feierte, war er völlig überfordert. Das kennen sicher viele.
Ich bin jemand, der dazu neigt, seine Zuneigung mit Geschenken auszudrücken. Mag ich jemanden – liebe ihn gar – möchte ich ihm die ganze Welt schenken.

Mama kauft den Laden leer

Wenn ich für meine Kinder Geschenke kaufe, muss ich mich jedes Mal zusammenreißen, nicht den halben Spielzeugladen leerzukaufen. Das läuft so ab. Wir erstellen eine Liste mit Geschenken und Wünschen des Kindes, dazu ein gewisses Budget. Wir wägen ab, welcher Wunsch wohl am größten ist, fügen ein paar sinnvolle hinzu, garnieren das Ganze mit einer Überraschung und fertig ist der Geschenketurm.

Klingt fein vernünftig, oder? Wäre es auch, wenn Mama (also: ich) nicht jedes Mal kurz vorm Stichtag die Panik packen würde… Es ist zu wenig (Ist es nicht!)! Der kleine Mann wird enttäuscht sein (Wird er nicht)! Und dann kaufe ich wie wild noch ein paar Kleinigkeiten – jedes Mal vergessend, dass wir ja nicht die Einzigen sind, die etwas schenken.

Geschenke von allen Seiten

Da kommen die Großeltern, die Paten, die Freunde, die Nachbarn – und schwupps – Kind sitzt im Mount Everest der Geschenke und ist völlig fertig. Vor Freude, vor Überforderung.

An einem Weihnachten nun, am ersten, dass er ganz bewusst miterleben konnte, saßen wir am Tag nach Heiligabend am Frühstückstisch und wollten gerade beginnen, als Locke völlig begeistert – und immer noch im Geschenkewahn – schrie: „NOCH EIN GESCHENK!!!“ Er stürzte sich auf den Camembert, wickelte ihn voller Vorfreude aus und rief entzückt: „DAS CHRISTKIND HAT KÄSE GEBRACHT!“

Er war begeistert…

Das war putzig, aber auch wirklich etwas erschreckend, denn er war völlig im Auspack-Wahn.

Geschenke zu Ostern

Nun ist aber Ostern, nicht Weihnachten. Warum schreibe ich das? Weil es sich zu Ostern ebenso auswächst, wie an Weihnachten. Und an Nikolaus. Versteht mich nicht falsch – ich finde, an Weihnachten darf es ruhig viele Geschenke geben, auch am Geburtstag ist das Kind für einen Tag Star, König, Feuerwehrhauptmann oder Polizeichef (je nachdem, was gerade in ist).

Aber nur, weil ein Feiertag ist, muss es nicht gleich auch Geschenke geben. Ich wäre völlig zufrieden, wenn die Jungs ein Osternest bekämen, das nach Belieben dann etwas erweitert werden kann – aber keine richtigen Geschenke. Trotzdem erlebe ich immer mehr, wie die Kinder damit geradezu zugebombt werden.

Muss jeder machen, wie er mag, wir versuchen, die Geschenkeflut an diesen Tagen einzudämmen. Denn für uns soll es vor allem um die Familie gehen. Sich Zeit füreinander nehmen. Ruhe haben, füreinander. Und natürlich lese ich meinen Kindern – neben den ganzen Hasengeschichten – auch vor, worum es an Ostern im christlichen Sinne geht.

Die Sache mit dem Osterhasen

„Guck mal, das hat das Christkind bei mir abgegeben für dich!“, rief eine Bekannte kurz nach Weihnachten und überreichte etwas Schnuckerkram. „Schau mal, was das Christkind bei mir für dich vergessen hat!“, sagte der nächste. Auch im Kindergarten war das Christkind, und man kann dieses Wort getrost durch „Nikolaus“ oder „Osterhase“ ersetzen. Ganz schön dement, diese kleinen Kerlchen.

Locke fragte letztes Weihnachten tatsächlich: „Mama, warum lässt denn das Christkind überall Sachen für mich liegen? Wenn es eh zu uns kommt, kann es das doch gleich mitbringen!“

Puuuuh. Ich rettete das Fest mit „Weißt du, es hat ja sooooo viel zu tun und da vergisst es schon mal was. Und es weiß ja, das du Frau Müllermeierschulze kennst und da hat es sich gedacht, es gibt ihr das Schokolädchen!“ Er gab sich damit zufrieden – doch ich war es nicht.

Geschenke sind Liebe, keine Frage

Ich verbiete niemandem, meinen Kindern etwas zu schenken.

Die Großeltern möchten ihnen gern zu Ostern etwas geben – und da bin ich die letzte, die ein Veto einlegen würde. Denn ich weiß – bei allem Konsum – es ist pure Liebe, die da geschenkt wird. In Form von Schokolade, Weingummi oder einem kleinen Spielzeug.
Aber das bedeutet für uns, dass der Osterhase bei UNS weniger bringt.

Also, ähh, ab nächstem Jahr wieder. In diesem Jahr gibt es was Besonderes… Ähem.

Denn sonst sitzen wir hier in einem Schokoladenberg – und wenn ich ehrlich sein soll, wir haben noch nicht einmal die Nikoläuse aufgegessen

Und bei all dem vielen Spielzeug streiten die Kinder am Ende worum? Richtig – um die leere Klorolle…


EUCH ALLEN EIN FROHES OSTERFEST!!! Denkt daran: Es geht nicht nur um niedliche Hasen und Geschenke…

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