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Die geheimste Geheimnummer aller geheimen Geheimnummern (Akt 4)

Jahaaa – ihr dachtet, es ist vorbei, was?! Nein, der Irrsinn ging weiter. Aber ersteinmal sollte es so aussehen, als sei mein Flehen erhört worden.

Ich hatte mich beruhigt. Auch die Sache mit dem Imperium… Nun, erstmal die Ausbildung fertig machen. Ich hatte das Geld überwiesen und ENDLICH hatte einen knappen Brief bekommen: Man habe das Geld erhalten und entschuldige sich für die Unannehmlichkeiten.

Unannehmlichkeiten? Besten Dank, ihr habt ja keine Ahnung…

Ungewöhnliche Stille

Es kehrte wieder Normalität ein. Ich bekam auch keine Anrufe mehr von Metzgerei-Kunden. Ich bekam… ähm, eigentlich gar keine Anrufe. Hm.

Eines Abends klingelte mein Handy.

„Hallo. Du weißt, dass deine Festnetznummer nicht mehr zu erreichen ist?“ begrüßte mich meine Mutter.

„Wie jetzt?“

Kein Anschluss unter dieser Nummer!“

„Ach!!“

Ich ging zum Telefon. Drückte die grüne Taste. Freizeichen.

„Funktioniert aber!“

Ich wählte die Nummer meiner Mutter.

„Hey! Hast du doch ne neue Nummer bekommen?“

„Offensichtlich.“

Nur wusste ich selbst noch nichts davon. Bei meinem Billig-Telefon konnte man übrigens noch nicht, wie heute üblich, zwischen „Nummer-unterdrücken-oder-auch-nicht“ wählen, die Nummer wurde nicht angezeigt. War ja „nur“ das Notfall-Festnetztelefon.

Endlich eine neue Nummer!

Einen Tag später: Post vom Telekommunikationsriesen.

„Auf Ihren Wunsch hin haben wir Ihre Telefonnummer geändert. Wir berechnen Ihnen dafür eine Service(hihihi)-Pauschale von…, die wir mit Ihrer nächsten Telefonrechnung abbuchen.“ Ach, leckt mich doch am Zückerli, ey!

Ich teilte meine neue Nummer sofort allen Bekannten und Freunden mit. „Der Metzgerei-Irrsinn hat ein Ende, Freunde! Hier ist meine neue Nummer!“

Eine neue Nummer. Eine Geheimnummer. Keine ständigen Anrufe mehr. Aus den Online-Seiten waren meine Adresse und Telefonnummer auch verschwunden… Alles gut.

Alles gut? Ha! Ich hätte es besser wissen sollen.

Die Stille und das Déjà-Vu

Eines schönen Tages kam ich nach Hause, müde und schlecht gelaunt, da klingelte mein Handy.

„Hallo. Du weißt, dass deine Festnetznummer nicht mehr zu erreichen ist?“ Mama. Déja vu.

„Wie bitte?!“

„Kein Anschluss unter dieser Nummer!“ What the f…

Ich flitzte die drei Stockwerke zum Briefkasten herunter. Nichts außer Werbung. Ich flitzte wieder rauf. Wartete bis zum nächsten Tag. Es eilte ja nicht, hatte ja das Handy. Nach Hause. Briefkasten öffnen: Leer.

Ich rief beim rosigen Unternehmen an.

„Guten Tag. Ähm. Es klingt seltsam. Aber ich wüsste gern meine Telefonnummer.“

„Wie bitte? Da müssen Sie bei der Auskunft anrufen.“

„Ja sehen Sie, es war so. Ich wollte sie ändern lassen, und dann wurde sie geändert und ich habe von Ihnen ein Schreiben bekommen und so… und jetzt wurde sie offensichtlich schon wieder geändert.

„Ja, das kann ich hier im Computer sehen.“

Die geheime Geheimnummer

„Ach, super! Und wie lautet sie nun?“

„Wer?“ Die Antwort auf den Sinn des Lebens, du Pute!

„Meine Nummer!“

„Die darf ich Ihnen leider nicht geben.“ What the f…

„WIE BITTE?!“

„Das ist nämlich eine Geheimnummer.“ ACH?!

„Ähm. Ja, das weiß ich. Hab‘s ja selbst beantragt. Aber ich muss sie ja selber kennen. Sonst nützt sie mir ja nichts.“

„Ich kann sie Ihnen aber nicht sagen. Da könnte ja jeder anrufen.

„Ich bin aber nicht jeder! Sie sehen doch bestimmt von welchem Anschluss ich anrufe!“

„Ja.“

„Ja, dann wissen Sie doch, dass ich ich bin.“

„Nein, weiß ich nicht. Es könnte ja jeder anrufen. Ein Einbrecher zum Beispiel.“

„Der in meine Wohnung einbricht um mit der T*****m zu telefonieren???“

„Ich kann Ihnen die Nummer jedenfalls nicht geben.“

„Warum nicht?“

„Weil es eine Ge-heim-num-mer ist!“ Boah, Mädel…

„Ja, aber die muss mir doch jemand sagen können!“

„Sie haben doch bestimmt ein Schreiben von uns bekommen. Da steht die drin!“

„Nein. Hab ich nicht.“

Das kann nicht sein. Das schicken wir automatisch raus.“

„Nun, gute Frau, wenn ich das Schreiben bekommen hätte, würde ich ja nicht meinen Feierabend mit diesem schönen Telefonat zubringen, meinen Sie nicht auch?“

„Haben Sie denn schon in Ihren Briefkasten geguckt?“ Du. Kriegst. Gleich. Haue.

„Natürlich!!!“

Gestatten? Ich bin die Nummern-Queen!

(seufzt) „Na gut. Wir können die Nummer ja noch einmal ändern. Dann bekommen Sie ein Schreiben und dann wissen Sie die Nummer.“

„Ja, bitte. Wenn es nicht anders geht!“

„Möchten Sie wieder eine Geheimnummer?!“ Das kann nicht euer Ernst sein!

Nun war es an mir, einfach mal aufzulegen.

Ein paar Tage später hatte ich meine vierte Telefonnummer innerhalb von 2 Monaten. Das muss mir erstmal einer nachmachen… Ich bin eine Nummern-Queen!

 

Hier könnt ihr nachlesen, was bisher geschah:

Die nichtexistente Metzgerei

Die Rechnung – oder: Jingle-Gedingel aus der Hölle

Kri-kri – Der Zitronenspritzkringel

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Kri-kri – Der Zitronenspritzkringel (Akt 3)

Erst eine Metzgerei, die es nicht gab, dann eine Rechnung, die es so auch nicht hätte geben dürfen. Um meine Nerven stand es nach diesen Erlebnissen mit einem großen Telekommunikationsunternehmen nicht zum Besten. Die Geschichte zog sich bereits über Wochen hin und ich versuchte telefonisch und schriftlich Hilfe zu bekommen – vergebens. Ich fühlte mich klein, machtlos und ohnmächtig. Auf meine selbstgeschriebene Rechnugn hatte noch niemand reagiert. Kein Rückschein, kein Anruf, keine neue Rechnung. Nichts.

Ausnahmesituation

In Ausnahmesituationen reagiert man ja oft ganz anders, als gewohnt. Wenn man verzweifelt versucht, eine falsche Rechnung ändern zu lassen. Oder nur, von der richtigen Person gehört zu werden…

Nachdem ich zwei Wochen lang fast täglich ergebnislos mit der Rechnungsstelle telefoniert hatte – irgendwann werde ich trotzig – hatten sie mich soweit. Ich war zermürbt.

Eine Freundin war zu Besuch, die mir die ganze Geschichte nicht glaubte.

„Niemals legen die einfach auf! Das kann nicht sein!“ Ach, Liebelein…

„Wetten?“

„Deal!“ Du. Hast. Ja. Keine. Ahnung.

Ich rief an, eine junge Dame meldete sich.

„…und darum hätte ich gern eine neue Rechnung.“

Tuuuut. Tuuuut. Tuuuut. Diesmal mit Lautsprecher. Meine Freundin war überzeugt.

Ich war am Ende. Völlig fertig, zwischen Lachen und Weinen.

„Was du jetzt brauchst, sind unvernünftige, tröstende Kalorien. Geht auf mich!“

Ein Zitronen-biddewas?

Wir betraten die Bäckerei in der Straße, die noch nicht mir gehörte. Ich stellte ernsthafte Überlegungen an, mein Metzgerei-Imperium zu erweitern und auch noch die eine oder andere Bäckerei zu übernehmen. Diversifikation ist alles… Danach die Weltherrschaft – mal überlegen.

Ich sah mir die Teilchen in der Auslage an. Heute war mir nach… einem Zitronenspritzkringel. Mit viel Zuckerguss! Verzweifelte Situationen erfordern verzweifelte Maßnahmen.

Es ist nun so, dass das menschliche Hirn manchmal etwas verzögert und seltsam reagiert. Es war wie in diesen Albträumen, in denen man schreit und macht und tut, in denen man aber nicht gesehen wird. Oder in denen man wegrennen will, aber nur krabbeln kann. Ich kam mir völlig ohnmächtig vor.

Da stand ich, sollte unverschämt viel Geld zahlen, das ich nicht hatte, und noch dazu war die Forderung völlig unberechtigt und ich schimpfte und diskutierte und flehte, aber niemand erhörte mich. Niemand reagierte. Freunde und Verwandte schüttelten nur noch die Köpfe. „Da muss man doch was machen können!“ Ja, nur was?!

Offensichtlich war ich verzweifelter, als ich es selbst mitbekommen hatte.

„Einen Spitronenkritzspringel, bitte.“

„Einen WAS?“ fragte die Bäckereiverkäuferin verdutzt.

Einen SPITRONENKRITZSPRINGEL! VERSTEHT MICH DENN NIEMAND?!!!

Da isser ja, der kleine Wahnsinn!

Und dann ging es los: Ich find an, furchtbar zu weinen. Rotz und Wasser. Verkäuferin und Freundin sahen sich ratlos an, während ich schluchzend im Laden stand.

„Einen… einen.. Kri.. Kri.. Kri… Hihihihi!“

Ich lachte und lachte, bis mir der Bauch wehtat. Da! Jetzt kam er, der Wahnsinn. Sehr, sehr selten erlebt man Situationen, in denen man nur einen Schritt vom Wahnsinn entfernt ist. Manche erleben das nie. Der Wahnsinn stand freundlich winkend neben mir in der Bäckerei und streckte die Arme nach mir aus „Schön, dass du auch da bist! Komm, wir gehen was trinken!“ Äh. Nö. Dann weinte ich wieder, als mir bewusst wurde, was ich für ein bemitleidenswertes Bild abgab.

Hatte ich grade wirklich „Spitronenkritzspringel“ gesagt? Ich lachte wieder. Noch ein bisschen hysterischer diesmal.

Wat hatse denn?

Hilflos sahen sich meine Freundin und die Verkäuferin noch immer an.

„Wat hatse denn?“

T*****m!“

„Ach, die Arme!“

„Kri… Kri… Kri!“ stammelte ich immer noch.

Meine Freundin nahm mich am Arm. „Komm mal mit.“

Wir gingen an die frische Luft, doch die half auch nicht. Eine kleine, blonde Frau und eine größere Brünette mit tränenverschmiertem Make-up gingen langsam über die Straße, die größere von beiden stammelte noch immer leise „Kri, kri, kri.“ vor sich hin. Was für ein Bild.

kri All you need is LOL

Manchmal ist Lachen alles, was du tun kannst. Oder Weinen. Oder beides. (Photo by Kah Lok Leong on Unsplash)

Prost! Auf die Weltherrschaft!

Wir betraten meinen griechischen Lieblings-Imbiss, der auch noch nicht zu meinem Imperium gehörte – aber erstmal die Weltherrschaft, dann der Rest. Kri! Kri! Kri!

Der Grieche hinter der Theke sah erschrocken auf. Er erkannte mich. Peinlich! Schluchzgrins.

„Hallo! Wir hätten gern nen Ouzo für meine Freundin. Aber bitte: Mach schnell!“

„Was hat sie denn?“

„T*****m!“

Geht aufs Haus!“

„Kri, kri, kri – aber, es ist gerade mal zwei Uhr nachmittags!“

„Trink!“ sagte der Grieche.

Kri!“ sagte ich und trank.

 

Hier geht’s zur Vorgeschichte:

Die nichtexistente Metzgerei (1. Akt)

Die Rechnung – oder: Jingle-Gedingel aus der Hölle

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Die Rechnung – oder: Jingle-Gedingel aus der Hölle (Akt 2)

Wie ihr bereits in der Geschichte mit der nicht-existenten Metzgerei gelesen habt, hatte ich mit einem gewissen Telekommunikationsanbieter so meine Schwierigkeiten. Diese gingen jedoch noch weiter… Hier ist der 2. Akt.

Wie es weiterging? Mit der Rechnung!

Die Rechnung war auch so eine Sache. Sie kam, kurz nachdem ich die Entdeckung gemacht hatte, dass ich nun Besitzerin einer Metzgerei war. Damals musste man noch hohe Gebühren für das Einrichten eines Telefon- und Internet-Anschlusses bezahlen. Klingt heute unglaublich, aber so war es. Es war allerdings nicht mehr so teuer, wie noch Jahre zuvor. Außer für mich.

Die Rechnung belief sich auf fast 1000 Euro. Nochmal langsam: Ein-tau-send-Eu-ro. Als ich sie öffnete, blieb mir vor Schreck beinahe das Herz stehen. Wo sollte ich das Geld hernehmen?!

Noch mehr „Das kann nicht sein!“

Völlig entgeistert rief ich den Bekannten an, der mir beim Beantragen des ganzen Internet- und Telefon-Gedönses geholfen
hatte.

„Ähm. Micky. Die Telekom will fast 1000 Euro von mir. Für den Anschluss!“

Das kann nicht sein!Ach, komm. Nicht du auch noch!

„Doch, ist aber so!“

„Das ist viel zu viel. Viiiel zu viel.“ Was du nicht sagst!

„Schau sie dir nochmal genau an. Da muss etwas schief gegangen sein.“ Du hast ja keine Ahnung, mein Lieber.

Und ich schaute. Oh ja, es war gehörig was schiefgegangen. Meine Freunde vom besagten Telekommunikationsunternehmen hatten jeden, aber auch jeden Posten, doppelt berechnet. Anschlussgebühr 150 Euro. Direkt darunter: Anschlussgebühr: 150 Euro.

Nur die Anreise des Service-Technikers hatte man nicht doppelt berechnet, sondern gleich vier Mal. Mit verschiedenen Anreisedaten. Nun war es an mir „Das kann nicht sein!“ zu rufen. An einem Tag war ich zuhause gewesen. Allein. Nur ich und mein Magen-Darm-Virus.

Ein weiterer Anreiseversuch, für je schlappe 40 Euro, fand laut Rechnung an einem Sonntag statt. Ich glaube ja an Arbeitseinsatz und einen gewissen Arbeitseifer, aber nein, das nehme ich den Jungs nicht ab…

Die Warteschleife, der Jingle des Grauens, Monika und ich

Was tut man, wenn man eine offenkundig falsche Rechnung erhält? Man ruft die Rechnungsstelle an. Computermenü. Didididi-DING. Schlechte Warteschleifen-Musik. Didididi-DING.

Ein Mensch nahm ab. Ich schilderte mein Problem.

„…und darum hätte ich gern eine neue Rechnung.“

Stille.

„Hallo? Hallo? Frau von der Rechnungsstelle?“

Aufgelegt. War wohl zu kompliziert gewesen.

Nächster Versuch. Nächste Erklärung.

„…und darum hätte ich gern eine neue Rechnung.“

Das kann doch gar nicht sein.“ Ja, Schatzi, genau darum rufe ich ja an!

„Ja, sehen Sie, das dachte ich auch, aber Ihr Techniker hat allein vier Mal die Anreise…“

Tuuuut. Tuuuut. Tuuuut.

Aufgelegt. So langsam schwenkte meine Stimmung vom höflichen „Heeeey, wir sind alle nur
Menschen, kann ja mal passieren!“ zu „Wollt ihr mich eigentlich verarschen?!“ um.

Die Rechnung

Photo by Gabriel Matula on Unsplash

Dritter Versuch, nicht mehr ganz so freundlich.

„…und darum erwarte ich, dass Sie mir eine neue, korrekte Rechnung zusenden.“

„…da komm ich an die Bar, da hat sich Monika doch wirklich schon den nächsten Kerl angelacht. Die Frau ist wirklich unglaublich, ich meine, ist das zu fassen, wir waren nur 10 Tage auf Malle…“

„Ähm. Das ist schön für Monika, aber HALLO?“

„…und du glaubst ja nicht, was die für Mengen an Cocktails in sich reinschüttet, meinlieberherrgesangsverein, ich sag dir – und sie hat nicht einen selbstbezahlt…“

„Das freut mich für Monika – olé olé, aber meine Rechnung möchte ich auch nicht selbst bezahlen und…“

„…aber das Wetter war klasse. Kennste ja, Malle halt, ne…“

HALLO???

„…ich kann dir da diese Bar empfehlen…“ Ja bitte, für mich einen doppelten Gin Tonic. Ohne Tonic…

„Hallooooo? Haaaaaallooooo?“

Tuuut. Tuuut. Tuuut.

Man hatte den Hörer einfach danebengelegt, pikante Urlaubsdetails ausgetauscht und dann aufgelegt. Mal wieder.

Let’s try again…

„Okay“, sagte ich zu mir. „Heute ist vielleicht einfach nicht dein Tag. Probieren wie es morgen nochmal. Erstmal zum Service-Punkt, die Sache mit der Metzgerei und den Gelben Seiten klären.“ Ich berichtete bereits.

In den folgenden Tagen versuchte ich noch einige Male, die Rechnungsstelle anzurufen. Wurde nicht aufgelegt, kam nach einem knappen „Moment bitte!“ die Warteschleife.

„Didididi-DING“ kann, hört man es oft genug, wahnsinnige Aggressionen auslösen. Mein Warteschleifen-Maximum, bis ich es nicht mehr aushielt, waren 43 Minuten.

Sagen eigentlich die Genfer Konventionen irgendwas zu dem Thema Telefonfolter durch Warteschleifenmusik? Zermürben des Geistes durch Jingle-Gedingel? Ich weiß nicht, ob es dazu Studien gibt, aber man wird langsam konditioniert. Kam in der Werbung ein Spot mit dem unvermeidlichen „Didididi-DING“ am Ende, stellte ich eine vermehrte Schweißbildung, starkes Herzklopfen und unbändige Mordlust fest.

Inzwischen war die erste Mahnung eingetrudelt. Jetzt wurde es ernst. Keine neue Rechnung, die wollen wahrhaftig das Geld. Ich begann, das Ganze schriftlich festzuhalten und schickte einen Brief – Einschreiben, Rückschein – an die Zentrale des Unternehmens. Keine Reaktion. Kein Rückschein. Keine neue Rechnung. Dafür eine zweite Mahnung.

Ich verschickte einen weiteren Brief – Einschreiben, Rückschein – an die Zentrale des Unternehmens. Keine Reaktion. Kein Rückschein. Keine neue Rechnung. Dafür eine letzte Mahnung mit Androhung eines Mahnbescheides.

Die Rechnung Telefon

Photo by Quino Al on Unsplash

Hilft ja nix – ab zum Anwalt

Nun ging ich zum Anwalt. Als ich ihm meinen Fall geschildert hatte – auch das mit der Metzgerei – und sich der arme Mann wieder beruhigt hatte, wischte er sich die Tränen aus den Augen. Es ist schon frustrierend, wenn alle Welt lacht und man selbst weiß nicht, ob man lachen oder weinen und außerdem fast 1000 Euro für den Spaß zahlen soll. Er riet mir, selbst auszurechnen, was ich bezahlen müsse und dann diesen Betrag zu überweisen.

Eine Klage wegen versuchten Betruges, wie mein Trotzkopf sie angestrebt hatte, habe gegen den Telekommunikations-Riesen wenig Aussicht, da es sich bestimmt um einen bloßen Computerfehler handle, so der Anwalt, der immer noch über seine lachtränenfeuchten Wangen wischte.

Wer mich kennt weiß, dass ich nicht rechnen kann und Zahlen meide, wie der Teufel das Weihwasser. Aber ich setzte mich hin, rechnete, durchkämmte die unübersichtlichen Posten, und versuchte sogar, die Mehrwertsteuer mit einzukalkulieren. Es klappte – der korrekte Rechnungsbetrag lag um die 300 Euro. Ich bat zudem um eine neue Telefonnummer, denn die Metzgerei-Sache nervte langsam.

Kurz habe ich überlegt, dem Didididi-DING-Laden eine eigene Rechnung zu stellen.

Für meine Mühen. Und meine Nerven. Ach ja. Meine Nerven!

Das war natürlich noch nicht alles… bald geht’s weiter mit dem 3. Akt – meine Nerven sollten noch eine große Rolle spielen…

Hier gehts zum 1. Akt des Dramas:

Die nichtexistente Metzgerei (1. Akt)

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Die nichtexistente Metzgerei (1. Akt)

Es war einmal – im Jahr 2002. Ich war süße 22 Jahre alt und noch lange nicht Mama. Was hat dieser Text also hier zu suchen? Diese Erfahrung hat mich geprägt. Meine Probleme mit diesem allseits bekannten Telekommunikationsunternehmen – nennen wir es die ROSAcom – bereichern seit jeher unsere Anekdotenkiste. Freunde und Familie kennen die Story bereits zur genüge. Es ist ein Stück in mehreren Akten – hier ist der erste:

Von einer Metzgerei, die es niemals gab – und irgendwie doch…

Ich war, wie erwähnt, 22 Jahre alt und zog ich zwecks Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin nach Dortmund. Ich bezog dort zur Miete eine kleine Wohnung in einem wunderschönen Szeneviertel und wollte natürlich gern einen Telefonanschluss und Internet haben. Gesagt getan, ich beantragte dieses bei einem sehr bekannten Telekommunikationsunternehmen.

Es kam ein Techniker, installierte die notwendigen Geräte, ich kaufte ein billiges Telefon, einen Computer und alles war, wie es sein sollte. Dachte ich. Weit gefehlt. Sehr weit.

Metzger? Gibbet nich!

Mein Telefon hatte einen Anrufbeantworter und immer wieder bekam ich Anrufe von Leuten, die sich als Fleischerei-Fachverkäuferin bewarben, 300 kleine Schnitzel für den Firmenempfang der Kanzlei Dideldum oder Spanferkel für den 80. Geburtstag von Opa Willibald bestellten und soweiter und so fort.

Anfangs dachte ich „Verwählt. Oder Zahlendreher.“ So um den 100. Anruf und die zehnte Beschwerde, dass der Metzger (der durch eklatante Nichtexistenz glänzte) nie zurückrufe und man sein Spanferkel zukünftig bei der Konkurrenz zu kaufen gedenke, dämmerte mir allerdings, dass so viele Menschen nicht irren konnten.

Ich nahm mir das Telefonbuch und schaute unter dem oft genannten – und viel öfter geschimpften – Namen der Metzgerei nach. Und tatsächlich. Die dort abgedruckte Nummer war – meine.

Schluck. Wie jetzt? Die Metzgerei befand sich in derselben Straße, ich ging hinüber und nahm mir einen „Wir liefern jetzt auch für Ihre Party!“-Flyer mit. Schwarz auf weiß. Meine Telefonnummer.

Soviel zur Geheimnummer

Ein Blick in die Gelben Seiten ließ mich noch blasser werden: Dort, in der Rubrik „Metzgereien“ standen mein Name, meine Adresse, meine Telefonnummer. Das wäre vielleicht noch verzeihlich gewesen, hätte ich nicht, aufgrund eines gruseligen Ex-Freundes, eine Geheimnummer beantragt. Ich ging ins Internet. Auch da, bei den Online Gelben Seiten. Mein Name. Meine Metzgerei. Ich googelte meinen Namen. Gleiches Ergebnis. „So viel dann also zur Geheimnummer!“ dachte ich.

Die Metzgerei übrigens hatte sich gewundert, dass sie keine Anrufe, keine telefonischen Bestellungen mehr erhalten hatten. Man hatte ihnen ihre – seit Jahren gültige – Nummer einfach abgeklemmt. Die hatte dann wohl ich.

Ich machte mich auf zum Service – ich muss beim Wort Service in Verbindung mit diesem Unternehmen immer noch lachen – also, zum Service-Punkt der ROSAcom mit dem schönen Jingle „Didididi-DING“.

Metzgerei Telefon

Photo by Quino Al on Unsplash

Das kann nicht sein

Ich stand in einer langen Schlange und als ich endlich an der Reihe war – bewaffnet mit meinen Gelben Seiten und einem Ausdruck der Online-Version – stand vor mir ein zweifelhaft netter, dafür aber umso arroganterer, Mitarbeiter namens Carlo von Irgendwas. Er sah in der Tat ein wenig aus wie Kater Carlo, den so manch einer noch aus den Micky Maus-Comics kennt. Genauso unsympathisch jedenfalls.

„Guten Tag. Was kann ich für Sie tun?“ Miau.

„Guten! Also… ich habe da ein Problem. Ich stehe in den Gelben Seiten, hatte aber eine Geheimnummer beantr…“

„Warum beantragen Sie denn eine Geheimnummer und lassen sich dann in die Gelben Seiten eintragen?“ Ei fein! Ein Schlaumeier.

„Ja, also, das ist es ja. Ich habe mich gar nicht eintragen lassen. Ich stehe hier unter Metz…“

„Wenn Sie sich nicht haben eintragen lassen, stehen Sie auch nicht drin.Oh ja, das dachte ich auch immer, naives Kind, ich!

„Ähm. Aber hier steht es. Schwarz auf gelb!“

„Ja, dann haben Sie sich auch eintragen lassen!“

„Ähm. Nein, sehen Sie, ich habe gar keine Metz…“

„Junge Frau. Man steht nicht einfach so in den Gelben Seiten.“ Ah. Na, was du nicht sagst! „Dafür muss man einen Antrag ausfüllen. Und Geld bezahlen.“ Der Ton wurde leicht gönnerhaft und er sprach sehr langsam, so wie man es macht, wenn man mit sehr, sehr alten oder sehr, sehr begriffsstutzigen Menschen spricht.

„Ich habe aber keinen Antrag ausgefüllt. Ich habe nämlich gar keine M…“

„Ja, dann ist doch alles paletti… Dann stehen Sie auch nicht drin!“ Was du nicht sa-haaagst!

„Aber hier steh ich drin!“

„Dann haben Sie auch den Antrag ausgefüllt!“ Okay. Durchatmen. Einatmen. Ausatmen.

Jetzt war ich an der Reihe, betont langsam und deutlich zu sprechen.

„Ich. Habe. Keinen. Antrag. Ausgefüllt. Ich stehe trotzdem in den Gelben Seiten.“

„Das kann nicht sein!“

Das sollte mein Lieblingsspruch werden.

„Aber hier steht’s doch!“

„Dann haben Sie auch den Antrag ausgefüllt!“

„Nein!“

„Doch!“

„Nei-hiiin.“

„Dann stehen Sie auch nicht…“ Freundchen, willst du mich verarschen?!

Der Nächste, bitte!

Die Leute hinter mir in der Schlange waren mittlerweile sehr still geworden und verfolgten meinen Auftritt gebannt.

„Nochmal. Zum Mitschreiben: Ich habe keinen Antrag ausgefüllt. Ich stehe trotzdem in den Gelben Seiten. Zumindest aus den Online-Gelben-Seiten will ich sofort gelöscht werden. Und eine neue Telefonnummer will ich auch. Ich habe nämlich gar keine Me…“

„Junge Frau. Das kann doch gar nicht sein. Wenn Sie in den Gelben Seiten stehen, haben Sie auch den Antrag ausgefüllt.“

„Junger Mann…“ Arschpillemannsausack, blöder! „Hab. Ich. Nicht.“

„Haben Sie es vielleicht vergessen?“ Jetzt reichts!

ABER ICH HABE GAR KEINE METZGEREI!!!“ schrie ich völlig entnervt, in Manier eines damals noch bekannten autolosen Werbe-Italieners.

„Ja. Ist doch prima, dann können Sie ja auch nicht da drin stehen! Der Nächste bitte!“

„Aber hier steh ich doch!“

„Der Nächste bitte!“

Die Leute hinter mir erhoben sich vom Boden, auf dem sie sich vor Lachen gewälzt hatten, trockneten die Lachtränen, rückten ihre Brillen zurecht und glätteten ihre Haare… Ich erntete den ein oder anderen mitleidigen Blick.

„Aber… äähh, die Rechnung. Die stimmt auch nicht!“ piepste ich verzweifelt.

„Rechnungsstelle. Rufen sie da an!“ kam es barsch zurück.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Wenn euch dieser Teil gefallen hat – es wird noch besser. Und es ist alles genau so passiert!

Warum ich für einen simplen Telefonanschluss über 1.000 Euro zahlen sollte, mitten am Tag einen Ouzo bekam und was ein Spitronenkritzspringel ist… demnächst hier bei Krümel und Chaos!

 

Hier geht es weiter mit dem 2. Akt:

Die Rechnung – oder: Jingle-Gedingel aus der Hölle