Beiträge

,

Die nichtexistente Metzgerei (1. Akt)

Es war einmal – im Jahr 2002. Ich war süße 22 Jahre alt und noch lange nicht Mama. Was hat dieser Text also hier zu suchen? Diese Erfahrung hat mich geprägt. Meine Probleme mit diesem allseits bekannten Telekommunikationsunternehmen – nennen wir es die ROSAcom – bereichern seit jeher unsere Anekdotenkiste. Freunde und Familie kennen die Story bereits zur genüge. Es ist ein Stück in mehreren Akten – hier ist der erste:

Von einer Metzgerei, die es niemals gab – und irgendwie doch…

Ich war, wie erwähnt, 22 Jahre alt und zog ich zwecks Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin nach Dortmund. Ich bezog dort zur Miete eine kleine Wohnung in einem wunderschönen Szeneviertel und wollte natürlich gern einen Telefonanschluss und Internet haben. Gesagt getan, ich beantragte dieses bei einem sehr bekannten Telekommunikationsunternehmen.

Es kam ein Techniker, installierte die notwendigen Geräte, ich kaufte ein billiges Telefon, einen Computer und alles war, wie es sein sollte. Dachte ich. Weit gefehlt. Sehr weit.

Metzger? Gibbet nich!

Mein Telefon hatte einen Anrufbeantworter und immer wieder bekam ich Anrufe von Leuten, die sich als Fleischerei-Fachverkäuferin bewarben, 300 kleine Schnitzel für den Firmenempfang der Kanzlei Dideldum oder Spanferkel für den 80. Geburtstag von Opa Willibald bestellten und soweiter und so fort.

Anfangs dachte ich „Verwählt. Oder Zahlendreher.“ So um den 100. Anruf und die zehnte Beschwerde, dass der Metzger (der durch eklatante Nichtexistenz glänzte) nie zurückrufe und man sein Spanferkel zukünftig bei der Konkurrenz zu kaufen gedenke, dämmerte mir allerdings, dass so viele Menschen nicht irren konnten.

Ich nahm mir das Telefonbuch und schaute unter dem oft genannten – und viel öfter geschimpften – Namen der Metzgerei nach. Und tatsächlich. Die dort abgedruckte Nummer war – meine.

Schluck. Wie jetzt? Die Metzgerei befand sich in derselben Straße, ich ging hinüber und nahm mir einen „Wir liefern jetzt auch für Ihre Party!“-Flyer mit. Schwarz auf weiß. Meine Telefonnummer.

Soviel zur Geheimnummer

Ein Blick in die Gelben Seiten ließ mich noch blasser werden: Dort, in der Rubrik „Metzgereien“ standen mein Name, meine Adresse, meine Telefonnummer. Das wäre vielleicht noch verzeihlich gewesen, hätte ich nicht, aufgrund eines gruseligen Ex-Freundes, eine Geheimnummer beantragt. Ich ging ins Internet. Auch da, bei den Online Gelben Seiten. Mein Name. Meine Metzgerei. Ich googelte meinen Namen. Gleiches Ergebnis. „So viel dann also zur Geheimnummer!“ dachte ich.

Die Metzgerei übrigens hatte sich gewundert, dass sie keine Anrufe, keine telefonischen Bestellungen mehr erhalten hatten. Man hatte ihnen ihre – seit Jahren gültige – Nummer einfach abgeklemmt. Die hatte dann wohl ich.

Ich machte mich auf zum Service – ich muss beim Wort Service in Verbindung mit diesem Unternehmen immer noch lachen – also, zum Service-Punkt der ROSAcom mit dem schönen Jingle „Didididi-DING“.

Metzgerei Telefon

Photo by Quino Al on Unsplash

Das kann nicht sein

Ich stand in einer langen Schlange und als ich endlich an der Reihe war – bewaffnet mit meinen Gelben Seiten und einem Ausdruck der Online-Version – stand vor mir ein zweifelhaft netter, dafür aber umso arroganterer, Mitarbeiter namens Carlo von Irgendwas. Er sah in der Tat ein wenig aus wie Kater Carlo, den so manch einer noch aus den Micky Maus-Comics kennt. Genauso unsympathisch jedenfalls.

„Guten Tag. Was kann ich für Sie tun?“ Miau.

„Guten! Also… ich habe da ein Problem. Ich stehe in den Gelben Seiten, hatte aber eine Geheimnummer beantr…“

„Warum beantragen Sie denn eine Geheimnummer und lassen sich dann in die Gelben Seiten eintragen?“ Ei fein! Ein Schlaumeier.

„Ja, also, das ist es ja. Ich habe mich gar nicht eintragen lassen. Ich stehe hier unter Metz…“

„Wenn Sie sich nicht haben eintragen lassen, stehen Sie auch nicht drin.Oh ja, das dachte ich auch immer, naives Kind, ich!

„Ähm. Aber hier steht es. Schwarz auf gelb!“

„Ja, dann haben Sie sich auch eintragen lassen!“

„Ähm. Nein, sehen Sie, ich habe gar keine Metz…“

„Junge Frau. Man steht nicht einfach so in den Gelben Seiten.“ Ah. Na, was du nicht sagst! „Dafür muss man einen Antrag ausfüllen. Und Geld bezahlen.“ Der Ton wurde leicht gönnerhaft und er sprach sehr langsam, so wie man es macht, wenn man mit sehr, sehr alten oder sehr, sehr begriffsstutzigen Menschen spricht.

„Ich habe aber keinen Antrag ausgefüllt. Ich habe nämlich gar keine M…“

„Ja, dann ist doch alles paletti… Dann stehen Sie auch nicht drin!“ Was du nicht sa-haaagst!

„Aber hier steh ich drin!“

„Dann haben Sie auch den Antrag ausgefüllt!“ Okay. Durchatmen. Einatmen. Ausatmen.

Jetzt war ich an der Reihe, betont langsam und deutlich zu sprechen.

„Ich. Habe. Keinen. Antrag. Ausgefüllt. Ich stehe trotzdem in den Gelben Seiten.“

„Das kann nicht sein!“

Das sollte mein Lieblingsspruch werden.

„Aber hier steht’s doch!“

„Dann haben Sie auch den Antrag ausgefüllt!“

„Nein!“

„Doch!“

„Nei-hiiin.“

„Dann stehen Sie auch nicht…“ Freundchen, willst du mich verarschen?!

Der Nächste, bitte!

Die Leute hinter mir in der Schlange waren mittlerweile sehr still geworden und verfolgten meinen Auftritt gebannt.

„Nochmal. Zum Mitschreiben: Ich habe keinen Antrag ausgefüllt. Ich stehe trotzdem in den Gelben Seiten. Zumindest aus den Online-Gelben-Seiten will ich sofort gelöscht werden. Und eine neue Telefonnummer will ich auch. Ich habe nämlich gar keine Me…“

„Junge Frau. Das kann doch gar nicht sein. Wenn Sie in den Gelben Seiten stehen, haben Sie auch den Antrag ausgefüllt.“

„Junger Mann…“ Arschpillemannsausack, blöder! „Hab. Ich. Nicht.“

„Haben Sie es vielleicht vergessen?“ Jetzt reichts!

ABER ICH HABE GAR KEINE METZGEREI!!!“ schrie ich völlig entnervt, in Manier eines damals noch bekannten autolosen Werbe-Italieners.

„Ja. Ist doch prima, dann können Sie ja auch nicht da drin stehen! Der Nächste bitte!“

„Aber hier steh ich doch!“

„Der Nächste bitte!“

Die Leute hinter mir erhoben sich vom Boden, auf dem sie sich vor Lachen gewälzt hatten, trockneten die Lachtränen, rückten ihre Brillen zurecht und glätteten ihre Haare… Ich erntete den ein oder anderen mitleidigen Blick.

„Aber… äähh, die Rechnung. Die stimmt auch nicht!“ piepste ich verzweifelt.

„Rechnungsstelle. Rufen sie da an!“ kam es barsch zurück.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Wenn euch dieser Teil gefallen hat – es wird noch besser. Und es ist alles genau so passiert!

Warum ich für einen simplen Telefonanschluss über 1.000 Euro zahlen sollte, mitten am Tag einen Ouzo bekam und was ein Spitronenkritzspringel ist… demnächst hier bei Krümel und Chaos!

 

Hier geht es weiter mit dem 2. Akt:

Die Rechnung – oder: Jingle-Gedingel aus der Hölle